Geschlechterpolitik und -forschung an Berliner Hochschulen

Gemeinsam gerecht: Geschlechterforschung und Gleichstellung an Berliner Hochschulen

Platz 1 – bereits seit 2005 belegt Berlin im direkten Ländervergleich die Spitzenposition in Gleichstellungsrankings. Was macht die Brain City anders?

In der Hauptstadt wurden rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen, etwa das Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) oder das Landesgleichstellungsgesetz (LGG). Außerdem gibt es hier Steuerungsinstrumente für Hochschulen, wie die Allgemeinen Gleichstellungsstandards. Auch ist die Frauen- und Geschlechterforschung an den Hochschulen durch ausgewiesene Professuren, etablierte Forschungszentren und eine Vielzahl weiterer Maßnahmen fest verankert. Und das bundesweit einzigartige Berliner Chancengleichheitsprogramm (BCP) fördert Gleichstellung sowie Frauen- und Geschlechterforschung strukturell und nachhaltig.

Neben den staatlichen Hochschulen in Berlin gibt es eine Vielzahl staatlich-anerkannter privater Hochschulen und Forschungsinstitute. Einige haben Strukturen für Geschlechterforschung und -politik eingerichtet.

Im Dialog

Ohne den intensiven und produktiven Austausch zwischen unterschiedlichen Akteur*innen und Initiativen in Berlin wären diese Erfolge undenkbar. Dieser existiert bereits seit vielen Jahren. Er wird »Berliner Dialog« genannt. Ein zentrales Ziel dieses Dialogs war und ist es, die Stadt als geschlechtergerechten und damit zukunftsfähigen Hochschulstandort weiter zu stärken.

Die Anfänge

Alles begann in den 1980er Jahren, als an den Hochschulen die ersten Zentren für Frauenforschung gegründet und Mitte der 1980er die ersten Beauftragten für Frauenfragen ernannt wurden. Ende des Jahrzehnts folgten die ersten Förderprogramme für Frauenforschung für die Hochschulen des Landes Berlin. 1990 schließlich wurde das Amt der Frauenbeauftragten als eine hauptberufliche Position für alle Berliner Hochschulen im Landeshochschulgesetz (BerlHG) fest verankert.

Geschlechtergerechtigkeit weiterdenken

Mit einem Professorinnen-Anteil von rund 32 Prozent liegt Berlin inzwischen bundesweit an der Spitze. Auch der Anteil der weiblichen Promovierenden ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt in Berlin bei knapp 50 Prozent. Trotzdem gibt es noch viel zu tun, um Ungleichheiten und die strukturelle Benachteiligung von Frauen an den Hochschulen abzubauen.

Akteur*innen und Einrichtungen

Für Gleichstellung an Berliner Hochschulen stehen unterschiedliche Akteur*innen im intensiven Austausch: Seitens der Berliner Politik sind das die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, die Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung sowie Sprecher*innen des Ausschusses für Wissenschaft und Forschung im Abgeordnetenhaus. Seitens der Hochschulen gehören neben der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten der Berliner Hochschulen (LKRP) die Landeskonferenz der Frauenbeauftragten der Berliner Hochschulen und Universitätsklinika des Landes Berlin (LaKoF) sowie die Arbeitsgemeinschaft der Frauen- und Geschlechterforschungseinrichtungen Berliner Hochschulen (afg) dazu.

Arbeitsgemeinschaft der Frauen- und Geschlechterforschungseinrichtungen Berliner Hochschulen (afg)

Anfang der 1980er wurde an der Freien Universität Berlin eines der ersten Zentren für Frauenforschung in Deutschland gegründet. Weitere Zentren für Frauen- und Geschlechterforschung an weiteren Berliner Hochschulen folgten. Im Jahr 2000 schlossen sich diese Zentren und Netzwerke an den staatlichen und konfessionellen Hochschulen der Stadt zur Arbeitsgemeinschaft der Frauen- und Geschlechterforschungseinrichtungen Berliner Hochschulen“ (afg) zusammen. Diese vernetzt Wissenschaftler*innen hochschulübergreifende, fördert den Austausch und die Kooperation in Bezug auf die Verankerung von Geschlechterforschung an den Hochschulen und stößt wesentliche Initiativen zur interdisziplinäre Auseinandersetzung mit aktuellen Themen der Frauen- und Geschlechterforschung an. Seit September 2018 koordiniert die Geschäftsstelle der afg die Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft.

Landeskonferenz der Frauenbeauftragten der Berliner Hochschulen und Universitätsklinika des Landes Berlin (LaKoF)

Seit 1991 sind in der LaKoF die zentralen Frauenbeauftragten der elf staatlichen und zwei konfessionellen Hochschulen sowie des Universitätsklinikums in Berlin zusammengeschlossen. Die Arbeit der Frauenbeauftragten hat eine rechtliche Grundlage: Sie ist im Landesgleichstellungsgesetz (LGG) und im Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) verankert. Frauenbeauftragte beraten die Hochschulleitungen, sie setzen sich für eine geschlechtergerechte Verwaltung ein, vertreten die Interessen von Frauen an Hochschulen und sind beispielsweise eine Anlaufstelle bei Fällen von Diskriminierung. Die LaKoF bietet den Frauenbeauftragten eine Plattform für Austausch, Kooperation und gemeinsames politisches Wirken auf Landesebene.

Programme und Services

Durch das Berliner Chancengleichheitsprogramm (BCP) werden strukturelle Barrieren für Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen abgebaut und Frauen auf ihrem Weg in Wissenschaft und Kunst zielgerichtet finanziell gefördert. Ein Ziel des Programms ist es, die Repräsentanz von Frauen auf Professuren und in Führungspositionen nachhaltig zu verbessern. Außerdem geht es darum, Genderaspekte als wesentliches Element qualitativ hochwertiger Forschung sowie zukunftsweisender Lehre zu etablieren. Seit 2001 werden zahlreiche Maßnahmen gefördert. Hierfür steht aktuell ein Finanzvolumen von bis zu 3,8 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Getragen wird das BCP von der Senatsverwaltung Wissenschaft und Forschung und der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Die Umsetzung wird durch die Geschäftsstelle des BCPs unterstützt.